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Fahrbericht Volvo S80 AWD

Volvo S80 AWD

Foto: Mario-Roman Lambrecht

SPORTcars 25.11.2009 - „Passen Sie bloß auf, wenn Sie auf das Gaspedal treten“, werde ich vom Überbringer des Schweden aufgeklärt, als ich ihn zum Bahnhof bringe. „Der geht ab wie nix gutes!“ Ich bringe ein kleines Lächeln auf, um der lieb gemeinten Warnung Aufmerksamkeit zu zollen. Der Überbringer ist voll des Lobes, geradezu euphorisch. Der Schwede hat bei ihm großes geleistet, wie es scheint.

Volvo S80 AWD

Foto: Mario-Roman Lambrecht

Volvo S80 AWD

Foto: Mario-Roman Lambrecht

Nun ja, er ist auch nicht der Kleinste. Mit einer recht imposanten Länge von 4,80 m bewegt er sich auf dem Level von A6, 5er und E-Klasse. Mit Audi teilt er sich sogar eine Gemeinsamkeit. In der Basis gibt’s einen dicken Happen mit schlappem Motor und freundlich untersteuerndem Fahrverhalten dank Frontantrieb. Aber in der Vollendung gibt es Hubraum, Sound und Allrad. Quasi existenzielle Grundbedürfnisse eines jeden Mannes. Fakten auf den Tisch, der Schwede hat einen Namen: Volvo S80.

Faszinierend, wie der Freundes- und Bekanntenkreis auf das Fahrzeug reagiert. „Was fährste denn jetzt wieder für eine Protzkarre“ werde ich gefragt. Volvo und mein Bekanntenkreis scheinen irgendwie nicht per Du zu sein, denn kaum erwähnte ich das böse V-Wort, folgte bloß ein: „Aha…“ Noch nicht einmal den Hauch einer Chance bekam ich, um zu erwähnen, dass hier ein schick verpackter V8 unter der Haube wütet. Stattdessen kam eine faszinierende Ansammlung von Desinteresse zum Vorschein. Nun gut, das hält mich aber trotzdem nicht davon ab, den S80 drei Wochen lang auf Herz und Nieren zu testen.

Volvo S80 AWD

Foto: Mario-Roman Lambrecht

Das äußere Antlitz ist alles andere als protzig. Man übt sich in nordisch kühlem Understatement. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten der Oberklasse, möchte der S80 seine Fahrgäste unauffällig von A nach B bringen. Von einer aggressiven Front im Stil von BMW oder vom pompösen Auftritt eines Mercedes, entfernt sich der S80 soweit es geht. Mit diesem Auto darf man den Luxus der Oberklasse genießen, ohne den Neid der Umwelt zu spüren. Das ist gewollt und kommt besonders in den USA, wo der Hauptabsatzmarkt des S80 ist, gut an.

Gleich zu Anfang geht es zu einem Termin nach Süddeutschland. So durfte sich der Achtzylinder sofort einem Reisetest unterziehen. Dabei fiel besonders die Soundkulisse angenehm auf. Der Klang liegt irgendwo zwischen dem sonoren Grummeln eines Mercedes und der faszinierenden Laufruhe eines Lexus. Nicht zu laut und nicht zu leise. Genau der richtige Ton für ein Familienauto. Besonders lustig ist es anzusehen, wenn man den Motor an der Ampel kurz aufheulen lässt. Denn darauf versucht die männliche Gattung dem Sound ein Gesicht zu geben... und sie schauen alle gnadenlos am Volvo vorbei.

Volvo S80 AWD

Foto: Mario-Roman Lambrecht

Dieses Understatement macht den Volvo S80 noch interessanter. Dank eines satten Hubraums von knapp viereinhalb, schickt das nett anzuschauende V8-Aggregat 315 Pferde auf die Räder. Mit einem maximalen Drehmoment von 440 Nm spurtet der Schwede in nur 6,5 Sekunden von 0 auf 100. Der Vorwärtsdrang endet erst bei Tempo 250. Das Fahrwerk könnte, trotz verstellbarer Dämpfungsstufen, zumindest im Sportmodus ein ganzes Stück straffer sein. Ab Tempo 220 fühlen sich die 1,8 Tonnen Leergewicht doch recht schwammig an. Die Automatik funktioniert dabei jedoch tadellos. Man merkt schnell, dieses Auto ist voll und ganz auf den amerikanischen Markt zugeschnitten.

Volvo S80 AWD

Foto: Mario-Roman Lambrecht

Auch der Innenraum gibt sich zurückhaltend. Dennoch wirkt er gut verarbeitet und alle Schaltelemente fühlen sich gut an. Die Ledersitze sind bequem, bieten allerdings kaum Seitenhalt. Alles sitzt an seinem Platz und das Navigationssystem kommt nur bei Bedarf aus der Mittelkonsole hervor. Bedient wird sie über eine simple Steuerung, direkt am Lenkrad. So muss der Fahrer auch während der Fahrt nicht die Hände vom Lenkrad nehmen. Im Fond dürfen sich die Beifahrer über ein DVD Multimedia System (optional) freuen.

Einen besonderen Härtetest hatte der S80 als Hochzeitsauto zu überstehen. Hübsch dekoriert hieß es nun die Braut samt Bräutigam sicher von der Kirche zur abendlichen Feier zu geleiten. Und er enttäuschte nicht ein Stück. Der geräumige Fond ließ genug Platz für den großen Bräutigam und die Braut, mit ihrem doch sehr pompösen Kleid. Der laufruhige V8 schnurrte vor sich hin und die komfortabel abgestimmte Federung brachte die beiden glücklich Vermählten zu Feierlocation. Ein perfekter Abend mit einem scheinbar perfekten Gentleman.

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